ImproArt-Philosophie

Impro - Spiritualität - Gesundheit

Was ist der Kern von Improvisationskunst? Was bewirkt Impro im täglichen Leben?

  • Impro fördert Wachheit, Flexibilität, Toleranz und eine positive, bejahende Lebenseinstellung
  • Geistesgegenwärtig zu sein, präsent „hier und jetzt“, ohne vorauseilendes Denken in die Zukunft.
  • Mit allen Sinnen ganz präsent, Gefühle wahrnehmen, den Körper spüren, sehen, hinhören, empathisch sein, Situationen intuitiv erfassen, …
  • Wache Wahrnehmung nach Innen und Außen. Gut in Balance zwischen dem Kontakt mit sich selbst und den Anderen.
  • Impro-Training erweitert die Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit. Man lernt kooperativer zusammen zu arbeiten und von Anderen mehr mitzubekommen.
  • Die Leichtigkeit und der intuitive Flow vom Improvisieren bereichern auch den Alltag als Gefühl von spielerischer Freude, von Handeln aus Begeisterung.
  • Über jeder Improvisation steht ein großes „Ja!“. Mit einem offenen „Ja“ zu dem was gerade ist fliesst Kreativität und Lebendigkeit. Vorschläge werden gegenseitig aufgenommen und konstruktiv ergänzt. 
  • Auch unangenehme Gefühle können ins Spiel einbezogen werden und verwandeln sich durchs Annehmen in Energie zum kreativen Gestalten und für Veränderung.
  • Improvisieren lernen hilft sich anzufreunden mit Unsicherheit. Unbekanntem offener und angstfreier begegnen zu können.
  • Mit einem Anfängergeist immer weiter dazulernen. Learning by doing, statt alles vorher wissen und können müssen.
  • Ein interessiertes „Was bemerke ich außerdem? Was ist da noch? “ öffnet beim Improvisieren Türen ins Unbekannte.
  • Grundlage einer gelungenen Improvisation ist entspanntes Gewahrsein. Entspannt, nicht konzentriert, nicht von einem einzelnen Focus absorbiert. So eine offene Aufmerksamkeit ermöglicht es sich vieler Aspekte gleichzeitig bewusst zu sein. Das übt man im Improtraining.
  • Aus einem beteiligten Beobachten als  Zuschauer oder von sich selbst als Spieler, wird ein ganz im Geschehen aufgehen beim Improvisieren und schließlich absichtsloses Gestalten: „Es spielt/tanzt mich“. Diese mystische Erlebnisqualität begeistert viele Improkünstler.
  • Improvisation ist in diesem Sinn eine aktive Meditationspraxis und stärkt die Bewusstheit im Leben. Improvisation fördert Präsenz beim Tanzen, Singen, Musizieren und Spielen – und letztlich im Alltag.

Peter Krempelsetzer, April 2023

Interview mit Peter Krempelsetzer (Zeitschrift Brand eins)

Was sind Ihrer Meinung nach günstige Bedingungen, um mit Improvisation vertraut zu werden?
Ausprobieren können ohne Beurteilung, eine spielerische und konzentrierte Atmosphäre.
Klare Rahmen werden gesteckt innerhalb derer man Neues entdeckt – vom Einfachen zum Komplexeren.
Es ist günstig, wenn man auch an scheinbar Bekanntes immer wieder frisch herangeht und sich den „Anfängergeist“ bewahrt.

Können Sie ein paar Eigenschaften aufzählen, die durch Improviation gefördert werden?
Man wird spontaner, kommunikativer, toleranter, flexibler, einfallsreicher, lebendiger und selbstbewusster.
Impro fördert die Lust am Gestalten, Selbstbestimmung und Spielfreude. Und man lernt, im täglichen Leben mit den eigenen Stimmungen und neuen Situationen gelassener und kreativer umzugehen.

Was wird vermittelt, worauf liegt der Schwerpunkt?
Körperlich, stimmlich und sprachlich sich phantasievoll und gekonnt auszudrücken. Tools für improvisierte Performance im Tanz und Theaterbereich, dramaturgisches und choreographisches Gespür. Lust am Ausdruck, in Flow kommen, Körpergefühl, Bewegungsfreude.
Geistesgegenwart: Schärfung der Wahrnehmung für sich selbst (Körper, Stimmungen, Gedanken, Phantasie) und für die Anderen. Die eigene Präsenz jenseits der wechselnden Gedanken, Gefühle und Eindrücke.
Authentischer Ausdruck. Im Moment da sein, statt im Kopf vorauszuplanen.

Welche Ziele verfolgen Sie Selbst mit Improvisation?
Künstlerische Gestaltung, Kontakt und Kommunikation, Spass am Spiel, Selbstentdeckung, Lust am Ausdruck, Präsenz, Lebensfreude.

Haben Sie sich durch den Umgang mit Improvisation verändert?
(grinst) Ich bin anders als vorher – und das jeden Moment!

Womit hatten Sie selbst kleinere und größere Anfangsschwierigkeiten beim Improvisieren?
Selbstkritik, mir Druck machen gut zu sein. Mich im Denken zu verlieren.
Kreativität und Leichtigkeit beim improvisierten Sprechen habe ich erst lernen müssen. – Und Gefühle ungefiltert wahrzunehmen und auszudrücken zu können.

Welche Potentiale können Ihrer Ansicht nach mit Improvisationstechniken erschlossen werden?
Ich denke, man kann beinahe alle künstlerischen Fertigkeiten (z.B. Tanztechnik, Schauspieltechnik, Gesangstechnik, Instrumente) mit gut angeleitetem und focussierendem Improvisationstraining spielerisch erlernen.

Haben Sie Vorbilder und Leitfiguren?
Ruth Zaporah, Keith Johnstone, Andrew Morrish, Al Wunder, Sten Rudström und viele andere tolle Improvisations-Performer und -Lehrer.
Ich lerne von Allen, die ich improvisieren sehe, weil ich stets drauf achte was mich an ihnen inspiriert (statt eines primär kritischen Blicks was alles verbesserungswürdig ist).

Welche Philosophien, Strömungen und Kunstbewegungen waren/sind für Sie wegweisend?
New Dance, Contact Improvisation, Action Theater, Shinui, Feldenkrais, asiatische Einflüsse (Tai Chi, Kung Fu, Yoga, Dzogchen). Gestalttherapie, Hakomi und andere Methoden humanistischer Psychologie.
Philosophien? Einige Strömungen aus dem Buddhismus, Mystiker, Advaita Vedanta, meine eigene Spiel-osophie.
Geistig/spirituelle Lehrer, Lehren und Gruppen, wo ich mehr von mir selbst, übers Mensch-Sein und präsent-sein entdeckt habe.

Was macht die Kunst des Improvisierens für Sie reizvoll?
Beim selber improvisieren: Immer wieder frisch zu erleben, die Freude Neues zu entdecken und zu erschaffen. Überrascht zu sein von dem was im Moment entsteht. Gegenwärtig zu sein, im Flow aufzugehen, im Kontakt mit anderen und dem Leben zu sein.
Wenn ich Andere improvisieren sehe: Die Kreativität und Lebensfreude zu erleben, die beim Improvisieren hervorbricht.

Wer kommt in die Kurse? Gibt es Vorraussetzungen?
Laien und Profis – alle die an Improvisation interessiert sind. Egal ob mit viel Vorerfahrung oder als „Neuling“, ist die beste Voraussetzung Entdeckerfreude! Also die Lust Neues zu erfahren und ohne Leistungsdruck auszuprobieren.
Die Einen nutzen was sie in den Kursen lernen beruflich – als Künstler, Therapeuten, Pädagogen, Kreative, ect.,
Andere möchten sich persönlich weiterbilden oder improvisieren einfach zum Spaß.

Bietet ihr auch eine Impro-Ausbildung an?
Es gibt in der Impro-Schule Abendkurse, Workshops und längere Trainings für verschiedene Niveaus.
Fortlaufende Gruppen beginnen oft als Basiskurs und steigern das Niveau über mehrere Blöcke. Mit viel Vorerfahrung kann man u.U. direkt in fortgeschrittene Kurse einsteigen.
Wer sich intensiver in Impro fortbilden möchte, stellt sich selbst ein Programm aus mehreren Fächern zusammen. Die persönliche und künstlerische Entwicklung unterstütze ich bei diesen engagierten Leuten besonders – durch individuelles Feedback und Gespräche.

Mehr zu Peter Krempelsetzer